Neurofunktionstherapie® (NF!T).

Warum NF!T? Warum ganzheitlich arbeiten?

Die motorische und die sprachliche Entwicklung stehen in einem engen Zusammenhang. Das frühzeitige Erkennen von Defiziten und eine adäquate Therapie sind für die Sprachentwicklung von besonderer Bedeutung. Nach hirnpsychologischen Erkenntnissen ist die Entwicklung der betreffenden neuronalen Grundstrukturen bis zu einem Alter von 8 Jahren abgeschlossen. Danach fällt es den Kindern wesentlich schwerer, Neues zu erlernen.

Auch bei der Entwicklung der Lesekompetenz gibt es ein zeitliches Fenster, um die Grundfähigkeiten zu erlernen. Das bedeutet, je früher eine Therapie begonnen wird desto besser.

Seit September 2016 dürfen wir uns Neurofunktionstherapeutinnen nennen.

Die Neurofunktionstherapie ist aus dem Grundgedanken entstanden, dass wir zu einer guten, gesunden und „normalen“ Entwicklung verschiedene Meilensteine durchleben müssen, um den Anforderungen im Alltag, in der Schule und im Beruf zu genügen.

Die Ziele sind Fähigkeiten zu verbessern, wiederherzustellen und zu erhalten. Das besondere an der NF!T Therapie ist, dass sie ohne Leistungsdruck an den Möglichkeiten des Patienten ansetzt und ist deshalb geeignet für Patienten aller Altersgruppen unabhängig vom psychischen und physischen Zustand des Patienten (u.a. auch für Wachkomapatienten).Die Bahnungs- und Funktionsübungen werden durch die Therapeutin nicht sprachlich angeleitet, sondern vom Patienten automatisch imitiert. Ein Highlight für viele Patienten ist, die rhythmisch begleitende Untermalung der Übungen. Bei Kindern „klappert die Mühle am rauschenden Bach“ und bei Erwachsenen wird die „Resi mit dem Traktor“ abgeholt. Nebenbei wird gleichzeitig ein intensiver Blickkontakt hergestellt, die Aufmerksamkeitsspanne verlängert sowie die Hör- und Merkfähigkeit gefördert. Um intensiv miteinander arbeiten zu können bekommt jeder Patient zu Beginn der NF!T Therapie eine Kiste mit mundgerechten Materialien. Kinder bekommen eine „Schatzkiste“, Jugendliche und Erwachsene eine Materialbox.

Mögliche Indikationen zur Behandlung im Mund:

– Artikulationsprobleme

– eine schlaffe, hypotone Muskulatur

–  Nahrungsaufnahmestörungen / PEG- Entwöhnung

– offene Mundhaltung mit und ohne Speichelfluss und damit einhergehenden Wundrändern

– verlegte Nasenatmung, häufig und immer wiederkehrende Infekte

– Kiefergelenksproblemen wie z.B. Eingeschränkte Beweglichkeit, Schmerzen oder „Knacken“

– Abbau der oralen Reflexe (Beißreflex oder vorverlagertem Würgereflex)

– bei Gaumensegelstörungen / Rhinophonien „näseln“

– Abbau von Angewohnheiten wie Nuckeln, Fingernägel kauen, Zähneknirschen

– Längung und Dehnung des Lippen- und Zungenbändchens

– bei Zahnfehlstellungen, zur Unterstützung bei kieferorthopädischen Maßnahmen

– Fazialisparese, Recurrensparese, Zungenparese

– bei Stimmproblemen

Körper

– Bei Problemen der motorischen Entwicklung, der Lateralität oder der Koordination

– Gleichgewichtsprobleme

– Zehenspitzengang

– Haltungsprobleme/Tonusprobleme

– reklinierte Kopfhaltung

– Legasthenie

– Einnässen/Einkoten

 

Hände

Das Kind ist ungeschickt und hat Probleme mit der Feinmotorik, keine gute Stifthaltung und es mag nicht gerne basteln und malen? Es kann nicht ausdauernd und sauber schreiben? Es drückt beim Schreiben immer viel zu feste auf? Die Fingerfertigkeit hat viel mit der Lateralität und somit viel mit der Hemisphärendominanz zu tun. Welches Kind kann heute noch eine Schleife binden? Welches Kind würfelt noch richtig?

Augen

Es gibt Probleme mit der Blickmotorik z.B. beim Einhalten von Linien beim Schreiben? Viele Lese-und Rechtschreibprobleme sind oft nur darin begründet, dass die Kinder mit ihren Augen dem horizontalen Zeilenverlauf ihren Aufgaben nicht regelrecht folgen können oder ein schneller Wechsel von Nah- zu Weitsicht schwierig ist. Ballfangen wird so fast unmöglich. Probleme in diesem Bereich haben nichts mit dem Visus zu tun, sondern ist ein Koordinationsproblem beider Hemisphären. Das binukulare Sehen ist abhängig von einer optimalen Verknüpfung beider Hemisphären.

Die NF!T setzt an den Primärfunktionen z.B. im Mundbereich: Atmen, Saugen, Kauen/Beißen an. Obwohl an den grundlegenden Funktionen angesetzt wird kommt man erfahrungsmäßig schneller und nachhaltiger zum Erfolg. Es würde ja auch keiner auf die Idee kommen beim Hausbau mit dem Dach zu beginnen oder?